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Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 11 – zumutbare Verweisungstätigkeit

Beispiel
A hat nach 7 Jahren als angestellte Architektin ein Kind bekommen und ihren Beruf deshalb aufgegeben. Als der Sohn der A in die Kinderkrippe kommt beschließt sie wieder stundenweise in dem Feinkostladen ihrer Schwester zu arbeiten. As Hauptberuf wird die nächsten Jahre über trotzdem Architektin bleiben, da dieser Beruf der qualitativ hochwertigere ist. Erst wenn A viele Jahre nur noch als Verkäuferin arbeitet könnte ihr Hauptberuf sich zu Verkäuferin ändern.

Ist der Hauptberuf bestimmt und kann der Versicherte in diesem keine sechs Stunden täglich mehr arbeiten, so wird geprüft, ob noch eine zumutbare Verweisungstätigkeit ausgeübt werden kann. Die Rentenversicherung darf dem Betroffenen nur eine solche Tätigkeit zuweisen, die für diesen sozial zumutbar ist und die er gesundheitlich sowie fachlich bewältigen kann. Durch eine Verweisungstätigkeit kann es deshalb durchaus zu einem gewissen beruflichen Abstieg kommen. Je qualifizierter der Betroffene ist, desto weniger Verweisungstätigkeiten kommen für diesen jedoch in Frage. Das Bundessozialgericht hat deswegen mit dem Urteil vom 09.10.2007 – B 5b/8 KN 2/07 R ein Schema entwickelt, welches die Einteilung in Verweisungstätigkeiten schematisiert. Betroffene werden dabei nach den bisher verrichteten Tätigkeiten zu einer Berufsgruppe zugeordnet. Für diese Einordnung spielen zudem die Ausbildung, Entlohnung, die Dauer der Ausübung sowie die Anforderungen des bisher ausgeübten Berufes eine Rolle. Wird der Betroffene einer Gruppe zugeordnet, gilt eine Verweisung auf die nächst niedrigere Berufsgruppe als zumutbar. Die Berufsgruppen werden dabei wie folgt eingeteilt:

Bei Arbeitern:

  • Vorarbeiter mit Leitungsfunktion
  • Facharbeiter
  • Angelernte Arbeiter
  • Ungelernte Arbeiter

Bei Angestellten:

  • Tätigkeiten der Führungsebene mit hoher Qualifizierung
  • Tätigkeiten, für die ein abgeschlossenes Studium erforderlich ist
  • Tätigkeiten mit abgeschlossener Meisterschule oder Fachhochschule
  • Tätigkeiten mit Berufsausbildung von mehr als zwei Jahren
  • Tätigkeiten mit Berufsausbildung zwischen einem und zwei Jahren
  • Tätigkeiten mit Berufsausbildung zwischen drei bis zwölf Monaten
  • Ungelernte Tätigkeiten

Beispiel
Die studierte A kann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr als angestellte Architektin arbeiten. Die Rentenversicherung kann ihr als Verweisungstätigkeit deshalb auch Berufe nennen, die einen Meistertitel oder einen Fachhochschulabschluss erfordern. Sie muss die Verweisungstätigkeit dabei jedoch konkret benennen.

Benennt die Rentenversicherung eine Verweisungstätigkeit, müssen in der zugewiesenen Branche jedoch genügend Arbeitsplätze zur Verfügung stehen. Zudem darf der Betroffene keine längere Einweisungszeit als drei Monate brauchen, um die neue Tätigkeit ausüben zu können. Gerade im Bürobereich ist jedoch davon auszugehen, dass zahlreiche mögliche Verweisungstätigkeiten vorhanden sind. Betroffene können in diesem Bereich somit nur sehr schwer eine Berufsunfähigkeit geltend machen.

Festzuhalten bleibt also, dass Versicherte, die

  • vor dem 02.01.1961 geboren sind
  • weder in ihrem Hauptberuf,
  • noch in einer zumutbaren Verweisungstätigkeit
  • mindestens sechs Stunden täglich arbeiten können

einen Anspruch auf eine teilweise EM-Rente haben. Betroffene sollten hier jedoch beachten, dass diese Rente nur in Höhe der teilweisen EM-Rente und nicht der ehemaligen Berufsunfähigkeitsrente gezahlt wird.



Dieser Beitrag ist entnommen aus dem Buch "Renten wegen Erwerbsminderung und Berufsunfähigkeit" von Olaf Bühler, Rechtsanwalt und Anna Martyna Werchracki, Wirtschaftsjuristin LL.B., 1. Auflage 2014, erschienen 2014 im Verlag Mittelstand und Recht, www.vmur.de, ISBN 978-3-939384-31-1.


Links zu allen Beiträgen der Serie:

Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 01 - Einführung
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 02 – Erfüllung der Wartezeit
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 03 – besondere versicherungsrechtliche Voraussetzungen
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 04 – ältere und behinderte Versicherte
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 05 – medizinische Voraussetzungen der Erwerbsminderung
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 06 – typische Krankheitsbilder
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 07 – Übliche Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes und Rehabilitationsmaßnahmen
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 08 – Die Renten: Wegeunfähigkeit und betriebsunübliche Pausen
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 09 – Arbeitsmarktrente
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 10 – Rente bei teilweiser Erwerbsminderung und Berufsunfähigkeitsrente
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 11 – zumutbare Verweisungstätigkeit
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 12 – Selbständige
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 13 – Dauer der EM-Rente
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 14 – Beginn der EM-Rente
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 15 – Höhe der EM-Rente
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 16 – Hinzuverdienstmöglichkeiten
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 17 – Begriff des Hinzuverdienstes
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 18 – Hinzuverdienstgrenzen bei voller EM
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 19 – Hinzuverdienstgrenzen in Sonderfällen
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 20 – Rentenantrag
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 21 – Antragsformular und Anlagen
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 22 – Rehabilitationsantrag als Rentenantrag
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 23 – Rentenverfahren
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 24 – Bezug von Arbeitslosengeld
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 25 – Bezug von Krankengeld
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 26 – Beispiele für den Bezug von Krankengeld
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 27 – Bezug von Krankentagegeld
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 28 – Tod des Versicherten
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 29 – Rentenbescheid
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 30 – Regelmäßige Kontrolle nach dem Rentenbescheid
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 31 – Regelmäßige Kontrolle nach dem Rentenbescheid (Fortführung)
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 32 – Regelmäßige Kontrolle nach dem Rentenbescheid (Fortführung 2)
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 33 – Zahlung ins Ausland und Versorgungsausgleich
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 34 – Arbeitsverhältnis
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 35 – Rechtsschutz
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 36 - Widerspruch
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 37 - Das Verfahren vor dem Sozialgericht
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 38 - Das § 109 SGG-Verfahren
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 39 - Berufung und Revision
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 40 - Antrag auf erneute Überprüfung
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 41 - Alternativen zur Erwerbsminderungsrente
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 42 - Betriebsrente und Unfallversicherung
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 43 - Private Berufsunfähigkeitsrente und Erwerbsunfähigkeitsrente
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 44 - Anhang (Berechnung Hinzuverdienstgrenze)
Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsrente - Teil 45 - Anhang Teil 2

Kontakt: info@brennecke-rechtsanwaelte.de
Stand: Januar 2014


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Portrait  Olaf Bühler, Rechtsanwalt

Rechtsanwalt Bühler berät und vertritt in allen Fragen des Rentenrechts bei Berufsunfähigkeitsrente / Erwerbunfähigkeitsrente oder Erwerbsminderungsrente. Er berät Betroffene über ihre Rechte auf Erbwerbsminderungsrente oder Berufsunfähigkeitsrente und vertritt bei der außergerichtlichen und gerichtlichen Durchsetzung der Rentenansprüche. Olaf Bühler ist zugleich Fachanwalt für Verwaltungsrecht.

Olaf Bühler hat zum Rentenrecht veröffentlicht:

  • „Renten wegen Erwerbsminderung und Berufsunfähigkeit" von Olaf Bühler, Rechtsanwalt und Anna Martyna Werchracki, Wirtschaftsjuristin LL.B., 2014, Verlag Mittelstand und Recht, www.vmur.de, ISBN 978-3-939384-31-1

Rechtsanwalt Bühler ist Dozent für Rentenrecht an der DMA Deutsche Mittelstandsakademie.
Er bietet Vorträge im Rentenrecht an, unter anderem:

  • Erwerbsminderungsrente – Grundlagen und Durchsetzung
  • Berufsunfähigkeitsrente in der Praxis


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