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Vorteile und Nachteile einer Eintragung im Handelsregister für kleine Unternehmen


Autor(-en):
Harald Brennecke
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Insolvenzrecht
Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht
Fachanwalt für Gewerblichen Rechtsschutz
Brennecke & Partner Rechtsanwälte Fachanwälte mbB



1. Welche Funktion hat das Handelsregister?


Das Handelsregister hat eine Publizitätsfunktion. Es gibt über rechtserhebliche Tatsachen Auskunft. § 9 HGB gestattet die Einsichtnahme ins Handelsregister für jedermann.
Das Handelsregister hat weiterhin eine Kontrollfunktion. Das Registergericht ist dazu verpflichtet, Anmeldungen zum Handelsregister zu überprüfen. Darüber hinaus hat das Handelsregister eine Schutzfunktion. Das Vertrauen der Personen soll geschützt werden, welche auf die Richtigkeit des Handelsregisters vertrauen (§ 15 HGB).

2. Wer muss sich ins Handelsregister eintragen lassen?


Prinzipiell ist jeder Gewerbebetrieb ins Handelsregister einzutragen (ausgenommen die freien, künstlerischen oder wissenschaftlichen Berufe, wie bsp. Arzt,Architekt oder Rechtsanwalt). Ein Gewerbebetrieb ist eine selbstständige, nach außen erkennbare, auf längere Zeit ausgerichtete, entgeltliche Tätigkeit am Markt.
Keine Eintragungspflicht besteht bei sogenannten Kleinbetrieben.
Kleinbetriebe sind gemäß § 1 Abs. 2 HGB Unternehmen, die nach Art oder Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Gewerbebetrieb nicht erfordern.

3. Wann ist ein Unternehmen ein Kleingewerbe, das sich nicht ins Handelsregister eintragen lassen muss?


Der Gesetzgeber hat sich nicht genau festgelegt, ab welcher Größe sich ein Unternehmen ins Handelsregister eintragen muss.
Es hängt von mehreren Kriterien im Zusammenspiel ab, ob ein Unternehmen ein Kleingewerbe ist oder nicht. Es ist auf das Gesamterscheinungsbild abzustellen. Um Ihnen einen Überblick zu verschaffen, ob Sie sich ins Handelsregister eintragen müssen, können Sie sich folgende Fragen stellen:

1. Ist ihr Unternehmen kaufmännisch organisiert?
2. Gehen Sie Ihrer gewerblichen Tätigkeit regelmäßig nach (oder beispielsweise saisonbedingt)?
3. Üben Sie Ihre gewerbliche Tätigkeit zuhause aus oder haben Sie Räume angemietet?
4. Sind sie überregional/international tätig?
5. Benötigen Sie eine Buchhaltung (mit mind. einem Buchhalter)?
6. Beschäftigen Sie mehr als eine Person Vollzeit (abgesehen von der Verwaltung)?
7. Benötigen Sie hohe Kredite für Ihr Unternehmen?
8. Bringt Ihre Geschäftstätigkeit eine Vielzahl an Erzeugnissen oder Leistungen hervor?
9. Haben Sie ein hohes Umsatzvolumen? Beim Kriterium des Umsatzes ist Vorsicht geboten. Es ist durchaus möglich, dass Unternehmen einen hohen Umsatz haben und trotzdem keine kaufmännischen Einrichtungen benötigen. In der Regel ist aber bei einem Jahresumsatz von ca. 250.000 Euro und mehr davon auszugehen, dass eine Eintragungspflicht besteht.
10. Haben Sie vielfältige Geschäftsbeziehungen?
11. Nehmen Sie am Wechselverkehr teil?

Haben Sie alle Fragen mit „nein“ beantworten, müssen Sie sich mit großer Wahrscheinlichkeit nicht ins Handelsregister eintragen lassen. Haben Sie mehr als vier Fragen mit „ja“ beantwortet, könnte es sein, dass Sie sich eintragen lassen müssen und sollten dies eingehender prüfen.
Ein Kleinunternehmer ist berechtigt, jedoch nicht verpflichtet, sich ins Handelsregister eintragen zu lassen. Durch die Eintragung wird der Kleinunternehmer dann Kaufmann im Sinne von § 2 Satz 1 HGB. Ein Kleinunternehmer kann sich wieder aus dem Handelsregister löschen lassen nach § 2 Satz 3 HGB.

4. Welche Vorteile bietet die Eintragung ins Handelsregister?


Wie bereits in der erwähnt dient das Handelsregister zur Auskunft für jedermann. Eine Eintragung kann sinnvoll sein, da das Unternehmen dadurch seriöser und professioneller wirkt. Oftmals schafft die Eintragung ins Handelsregister auch Vertrauen beim Vertragspartner. Darüber hinaus kann z.B. nur eine Prokura erteilt werden, bei Eintragung im Handelsregister.

5. Entstehen Nachteile durch die Eintragung ins Handelsregister?


Aufgrund der Eintragung ins Handelsregister wird man Kaufmann, für den die besonderen Regeln des Handelsgesetzbuches gelten. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass Kaufleute mehr Ahnung im Rechtsverkehr haben müssen als Nichtkaufleute. So sind Kaufleute beispielsweise bei einer Bürgschaft an ihre mündliche Zusage gebunden. Nichtkaufleute können einen Bürgschaftsvertrag nur schriftlich abschließen.
Die Eintragung ruft auch einige Pflichten hervor. Wer ins Handelsregister eingetragen ist, muss Buch führen, sowie eine Bilanz und Inventar erstellen. Einzelkaufleute sind hiervon nach § 242 HGB befreit. Wer im Geschäftsjahr nicht mehr als 500.000 Euro Umsatz und 50.000 Euro Gewinn hat, der ist nicht zur Buchführung, Bilanzierung und Inventar verpflichtet.


Es entstehen Gebühren bei der Eintragung ins Handelsregister. Bei Kleingewerbetreibenden, die nicht ins Handelsregister eingetragen sind, entfällt in der Regel der IHK Grundbeitrag. Der Beitrag richtet sich dann nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Unter EUR 5.000,- Gewinn wird normalerweise kein Beitrag fällig. Die genaue Beitragsgrenze richtet sich nach der jeweiligen Satzung der örtlichen IHK. 


Fazit: Besteht keine Verpflichtung zur Eintragung, sollte man überlegen, ob man sich wirklich eintragen lässt.

6. „Ich bin eintragungspflichtig, lasse mich aber nicht eintragen!“ Was passiert jetzt?


Wer eintragungspflichtig ist, muss sich eintragen lassen. Erkennt das Handelsregister, dass jemand seiner Eintragungspflicht nicht nachkommt, mahnt es unter angemessener Frist die Eintragung nachzuholen. Bei Nichtanmeldung des Unternehmens trotz Pflicht kann die Eintragung mit einem Zwangsgeld durchgesetzt werden.

 



Autor(-en):
Harald Brennecke
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Insolvenzrecht
Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht
Fachanwalt für Gewerblichen Rechtsschutz
Brennecke & Partner Rechtsanwälte Fachanwälte mbB



Kontakt: brennecke@brennecke-rechtsanwaelte.de
Stand: August 2012


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Über die Autoren:

Harald Brennecke, Rechtsanwalt

Portrait Harald-Brennecke

Rechtsanwalt Harald Brennecke ist Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht sowie Fachanwalt für Insolvenzrecht.

Er berät, vertritt und begleitet Gesellschafter, Geschäftsführer und Unternehmen bei

  • Rechtsformwahl
  • Wahl des Firmennamens
  • Gesellschaftsgründungen:
    z.B. Beratung zu Gesellschaftskonzepten, Gestaltung von Gesellschaftsverträgen, Geschäftsführerverträgen, Handelsregisteranmeldungen, Vorbereitung und Begleitung  bei Notarterminen 
  • Auseinandersetzungen zwischen Gesellschaftern
  • Liquidation von Gesellschaften
  • Firmenkäufen
  • Due Diligence
  • Geschäftsführerverträgen
  • Sanierung, Insolvenzvermeidung und Insolvenzbegleitung:
    Harald Brennecke ist seit 1999 im Bereich der Unternehmenssanierung tätig. Als Fachanwalt für Insolvenzrecht berät und begleitet er Sanierungen und betreut Geschäftsführer und Gesellschafter bei Firmeninsolvenzen. Er unterstützt Geschäftsführer in der Unternehmenskrise hinsichtlich der für sie bestehenden Haftungsrisiken sowie Gesellschafter im Interesse der Wahrung der Unternehmenswerte. Er unterstützt bei der Suche nach Investoren und Wagniskapitalgebern (venture capital), begleitet Verhandlungen und erstellt Investorenverträge.


Rechtsanwalt Harald Brennecke hat im Gesellschaftsrecht und Insolvenzrecht veröffentlicht:

  • "Das Recht der GmbH", Verlag Mittelstand und Recht, 2015, ISBN 978-3-939384-33-5
  • "Der Gesellschaftsvertrag der GmbH - Die GmbH-Satzung in Theorie und Praxis", 2015, Verlag Mittelstand und Recht, ISBN 978-3-939384-40-3
  • "Der Unternehmenskauf -  Rechtliche Risiken bei Kauf und Verkauf mittelständischer Unternehmen", 2014, Verlag Mittelstand und Recht, ISBN 978-3-939384-18-2
  • "Die Haftung des GmbH-Geschäftsführers", 2014, Verlag Mittelstand und Recht, ISBN 978-3-939384-29-8
  • "Gesellschaftsrecht in der Insolvenz", 2014, Verlag Mittelstand und Recht, ISBN 978-3-939384-26-7
  • "Die Limited in der Insolvenz", 2014, Verlag Mittelstand und Recht, ISBN 978-3-939384-34-2
  • "Der Insolvenzplan – Sanierungsinstrument in der Insolvenz", 2007, Verlag Mittelstand und Recht, ISBN 978-3-939384-03-8
  • "Die Regelinsolvenz - Insolvenz für Unternehmer und Unternehmen", 2014, Verlag Mittelstand und Recht, ISBN 978-3-939384-07-6
  • "Gesellschafterinteressen in der Publikums-KG: Auskunftsrechte der Kommanditisten einer Publikums-KG gegen Treuhänder“, 2014, Verlag Mittelstand und Recht, ISBN 978-3-939384-28-1
  • "Die Gesellschafterversammlung: Ein Leitfaden", Harald Brennecke und Dipl.-Jur. Marc Schieren, M. L. E., 2016, Verlag Mittelstand und Recht, www.vmur.de, ISBN 978-3-939384-50-2
  • "Arztpraxis – Kauf und Übergang", Harald Brennecke und Michael Kaiser, 2016, Verlag Mittelstand und Recht, www.vmur.de, ISBN 978-3-939384-54-0

Folgende Veröffentlichungen von Rechtsanwalt Brennecke sind in Vorbereitung:

  • Die Due Diligence – Rechtliche Prüfung beim Unternehmenskauf
  • Die Liquidation der Kapitalgesellschaft
  • Die Unternehmergesellschaft (UG)

Harald Brennecke ist Dozent für Gesellschaftsrecht und Insolvenzrecht an der DMA Deutsche Mittelstandsakademie und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Insolvenzrecht im DeutscherAnwaltVerein.  
Er bietet Schulungen, Vorträge und Seminare unter anderem zu den Themen:

  • Gesellschaftsrecht für Steuerberater und Unternehmensberater – Grundlagen des Gesellschaftsrechts
  • Gesellschaftsvertragsgestaltung – Grundlagen und Risiken
  • Die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) – kleine Chance, großes Risiko
  • Welche Gesellschaftsform ist die Richtige? Vor- und Nachteile der Rechtsformen für Unternehmer
  • Geschäftsführerhaftung – Geschäftsführung von Kapitalgesellschaften; das letzte große Abenteuer der westlichen Zivilisation
  • Insolvenzrecht für Gründer und lebende Unternehmen: Aus Insolvenzen anderer lernen heißt das eigene Insolvenzrisiko zu vermeiden
  • Unternehmenssanierung: Kopf aus dem Sand! Wer zu spät reagiert, reagiert nie wieder.
  • Insolvenzrecht für Steuerberater – Grundlagen des Insolvenzrechts für Steuerberater und Wirtschaftsprüfer
  • Insolvenzrecht für Unternehmensberater – Sanierungschancen erkennen und wahren
  • Insolvenzberatung: das (enorme) Haftungsrisiko des Sanierungsberaters

Kontaktieren Sie Rechtsanwalt Harald Brennecke unter:
Mail: brennecke@brennecke-rechtsanwaelte.de
Telefon: 0721-20396-28

 

Normen: § 1 HGB, § 2 HGB
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