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Steuergestaltung Geschäftsführer – Teil 08 – Arbeitskonto

3.5.3 Arbeits- bzw. Zeitwertkonto

Bei einem Arbeits- bzw. Zeitwertkonto verzichtet der Arbeitnehmer auf die Auszahlung eines bestimmten Teils seines Gehalts bei gleichbleibender Arbeitszeit (Ansparphase). Das Unternehmen erfasst die Mehrarbeitszeit auf einem Arbeitszeitkonto (Zeitwertkonto) und schreibt sie dem Arbeitnehmer gut. Die Gutschrift wird in einen Geldbetrag umgerechnet und entspricht dem Gehaltsverzicht des Arbeitnehmers. Zu einem späteren Zeitpunkt nimmt der Arbeitnehmer sein Zeitwertguthaben dergestalt in Anspruch, dass er unter Fortzahlung der Bezüge von der Arbeitsleistung freigestellt ist (Freistellungsphase, umgangssprachlich: Überstundenabbau). Es besteht in der Regel kein Anspruch auf Barauszahlung.

Diese Freistellungsphase kommt nicht (mehr) in Betracht bei:

    • Erreichen der Altersgrenze,
    • Auszahlung an Erben im Todesfall;
    • sofortigem Ausscheiden aus dem Unternehmen.

Ein steuerpflichtiger Lohnzufluss liegt erst bei der Auszahlung von Arbeitslohn in der sogenannten Freistellungsphase oder bei einer Auszahlung des Zeitwertguthabens vor. Fraglich ist allerdings, ob diese lohnsteuerliche Möglichkeit auch für Geschäftsführer gilt: so besitzt der Fremdgeschäftsführer für die Gesellschaft eine „Allzuständigkeit“ und damit eine Gesamtverantwortung, insbesondere, wenn er deren alleiniger Geschäftsführer ist. Er bestimmt regelmäßig seine Arbeitszeit selbst, doch hat er häufig notwendige Arbeiten auch dann zu erledigen, wenn dies einen Einsatz außerhalb der üblichen Arbeitszeiten hinaus erfordert.

Mit diesem Aufgabenbild verträgt sich keine Vereinbarung, in der auf die unmittelbare Entlohnung zu Gunsten von späterer (vergüteter) Freizeit verzichtet wird; sie entspräche – zeitversetzt – der mit der Organstellung unvereinbaren Abgeltung von Überstunden.

Dass gilt auch für die ein entgeltumwandlungsbasiertes Arbeitszeit- bzw. Zeitwertkonto. Zwar erfolgt hierbei die Gutschrift während der Ansparphase nicht unmittelbar in Zeiteinheiten, sondern in Form eines Wertguthabens. Letztlich wird aber auch hier durch laufenden Gehaltsverzicht Freizeit – in Form der Freistellungsphase – erkauft. Das ist mit der Organstellung eines Fremdgeschäftsführers nicht vereinbar.

Auch das Aufgabenbild eines Gesellschaftsgeschäftsführers verträgt sich nicht mit einer Vereinbarung, in welcher im Rahmen eines sog. Arbeitszeit- oder Zeitwertkontos auf die unmittelbare Entlohnung zu Gunsten einer späteren (vergüteten) Freizeit verzichtet wird.

Allerdings habeneinige Finanzgerichte in der jüngeren Vergangenheit die Einrichtung von Arbeits- bzw. Zeitwertkonten für Geschäftsführer als rechtmäßig angesehen. Die Finanzverwaltung ist bislang nicht von ihrer Praxis im Umgang mit flexiblen Arbeitszeitmodellen für Geschäftsführer abgewichen. Für Minderheitsgesellschafts-Geschäftsführer und für Mehrheitsgesellschafts-Geschäftsführer besteht keine Möglichkeit zur Einrichtung eines Arbeitszeit- bzw. Zeitwertkontos.

3.5.4 Arbeitszimmer

Unter bestimmten Voraussetzungen kann auch ein Geschäftsführer Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer als Werbungskosten abziehen.

3.5.4.1 Regel-Ausnahme-Verhältnis

Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer können unbegrenzt als Betriebsausgaben oder Werbungskosten steuerlich berücksichtigt werden, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit bildet. Bis zu einem Betrag von 1.250 € jährlich werden Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer anerkannt, wenn für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Dabei hat der Gesetzgeber die steuerliche Anerkennung grundsätzlich gem. § 4 Abs. 5 Nr. 6b EStG, § 9 Abs. 5 EStG als Regel-Ausnahme-Verhältnis ausgestaltet: (Schaubild)

3.5.4.2 Häusliches Arbeitszimmer

Um Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer gem. § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG überhaupt geltend machen zu können, muss ein solches nach einkommensteuerlicher Betrachtung überhaupt vorhanden sein. Zuletzt nahm der BFH ausführlich zum Begriff des häuslichen Arbeitszimmers Stellung.

Danach muss es sich um einen Raum handeln, der seiner Ausstattung nach der Erzielung von Einnahmen dient und ausschließlich oder nahezu ausschließlich zur Erzielung von Einkünften genutzt wird.

Ein häusliches Arbeitszimmer ist seiner Lage, Funktion und Ausstattung nach in die häusliche Sphäre des Steuerpflichtigen eingebunden und dient vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher, verwaltungstechnischer oder -organisatorischer Arbeiten.

Ein solcher Raum ist typischerweise mit Büromöbeln eingerichtet, wobei der Schreibtisch regelmäßig das zentrale Möbelstück ist. Der Nutzen eines häuslichen Arbeitszimmer ergibt sich daraus, dass der Geschäftsführer auch nach Geschäftsschluss noch Arbeiten ausführen kann. Dies kann zu Einsparungen auf Seiten des Unternehmens in der Bereitstellung von betrieblichen Räumen nach Geschäftsschluss führen (z.B. durch weitere Besetzung eines Empfanges).

Aufwendungen für Räume innerhalb des privaten Wohnbereichs des steuerpflichtigen Geschäftsführers, die nicht dem Typus des häuslichen Arbeitszimmers entsprechen, können gleichwohl unbeschränkt als Betriebsausgaben/Werbungskosten abziehbar sein, wenn sie betrieblich bzw. beruflich genutzt werden und sich der betriebliche bzw. berufliche Charakter des Raums und dessen Nutzung anhand objektiver Kriterien feststellen lassen.

Entspricht ein Raum nach seinem äußeren Bild durch seine Einrichtung mit Büromöbeln dem Typus des Arbeitszimmers, muss er überdies (nahezu) ausschließlich zur Erzielung von Einkünften genutzt werden. Bereits der Gesetzeswortlaut legt nahe, unter einem „häuslichen Arbeitszimmer“ nur einen Raum zu verstehen, in dem Tätigkeiten zur Erzielung von Einnahmen ausgeübt werden. Ein Zimmer, das zwar büromäßig eingerichtet ist, das aber in nennenswertem Umfang neben der Verrichtung von (Büro-)Arbeiten auch anderen Zwecken dient (z. B. als Spiel-, Gäste- oder Bügelzimmer), ist bereits nach dem allgemeinen Wortverständnis kein Arbeitszimmer.

Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer können nur bei ausschließlich betrieblicher oder beruflicher Nutzung und auch dann regelmäßig nur beschränkt abziehbar sein. Selbst die Aufwendungen für Zimmer, die den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit bilden, sind nur abziehbar, wenn sie „regelmäßig und ausschließlich betrieblich oder beruflich“ genutzt werden. Damit gehört die ausschließliche oder nahezu ausschließliche Nutzung des Raums zur Erzielung von Einnahmen zum Inhalt des Tatbestandsmerkmals „häusliches Arbeitszimmers“, weshalb ein Abzug anteiliger Aufwendungen für gemischt genutzte Zimmer grundsätzlich ausscheidet. Dies gilt auch für Zimmer, die räumlich sowohl zur Erzielung von Einnahmen („Arbeitsecke“) als auch zu privaten Wohnzwecken genutzt werden. Denn wenn schon Aufwendungen für einen als Büro eingerichteten Raum im Grundsatz nicht abziehbar sind, gilt dies umso mehr für Räume, die ihrer Ausstattung nach sowohl der Erzielung von Einkünften als auch privaten Wohnzwecken dienen. Der regelmäßige Ausschluss der Aufwendungen für ein Arbeitszimmer gilt daher erst recht für Räume, die bereits nach ihrem äußeren Erscheinungsbild nicht dem Typus des Arbeitszimmers zuzurechnen sind, sondern ihrer Art (z.B. Durchgangszimmer) oder ihrer Einrichtung nach erkennbar zumindest auch privaten Wohnzwecken dienen.

Bei der konkreten Berechnung der anteiligen Berücksichtigung der Aufwendungen für ein Arbeitszimmer gilt die Formel „Fläche des Arbeitszimmers“ geteilt durch „Gesamtwohnfläche der Wohnung (inkl. Arbeitszimmer)“ x 100 = Absetzbarer Anteil des Arbeitszimmers.

Beispiel:

Die Wohnung von Herrn Müller hat eine Grundfläche von insgesamt 120 qm inklusive Arbeitszimmer. Das Arbeitszimmer selbst verfügt über eine Grundfläche von 15 qm.

Der Anteil des Arbeitszimmers wird wie folgt berechnet: 15 qm : 120 qm x 100 = 12,5. Von allen anfallenden Kosten der Wohnung (Miete, Heiz- und sonstige Kosten) können 12,5 % als Betriebskosten für das Arbeitszimmer geltend gemacht werden.


Dieser Beitrag ist zitiert aus dem Buch „Die Steuergestaltung des Geschäftsführers“ von Monika Dibbelt, Rechtsanwältin, Carola Ritterbach, Rechtsanwältin und Jürgen Seul, Assessor mit Fußnoten erschienen im Verlag Mittelstand und Recht, 2019, www.vmur.de, ISBN: 978-3-96696-007-6.


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Über die Autoren:

Monika Dibbelt, Rechtsanwältin

Portrait Monika-Dibbelt

Rechtsanwältin Monika Dibbelt berät und vertritt Steuerschuldner bei Fragen über die Abgabe von Steuern und die Pflichten zur Abgabe von Steuererklärungen, insbesondere im Rahmen von Insolvenzverfahren und Wohlverhaltensperiode. Sie vertritt ihre Mandanten bei der Einlegung von Rechtsbehelfen gegen Bescheide des Finanzamtes sowie in Verfahren vor den Finanzgerichten und im Steuerstrafrecht. Rechtsanwältin Dibbelt arbeitet derzeit an Veröffentlichungen im Bereich Steuerrecht.

Monika Dibbelt hat im Steuerrecht veröffentlicht:

  • Bilanzierung, Carola Ritterbach, Monika Dibbelt und Jens Bierstedt LL.M., 2016, Verlag Mittelstand und Recht, www.vmur.de, ISBN 978-3-939384-49-6
  • Steuerstrafrecht – Strafbarkeit der Organe in Unternehmen, Monika Dibbelt, Carola Ritterbach und Alexander Mayr, 2016, Verlag Mittelstand und Recht, www.vmur.de, ISBN 978-3-939384-48-9
  • Die strafbefreiende Selbstanzeige, Carola Ritterbach, Monika Dibbelt und Jens Bierstedt, 2016, Verlag Mittelstand und Recht, www.vmur.de, ISBN 978-3-939384-47-2
  • Besteuerung Personengesellschaften, Carola Ritterbach, Monika Dibbelt und Jens Bierstedt LL.M., 2016, Verlag Mittelstand und Recht, www.vmur.de, ISBN 978-3-939384-52-6
  • Steuerberaterhaftung, Carola Ritterbach, Monika Dibbelt und Anika Wegner, 2016, Verlag Mittelstand und Recht, www.vmur.de, ISBN 978-3-939384-51-9

 

Eine steuerberatende Tätigkeit kann Frau Rechtsanwältin Dibbelt nicht erbringen. Bei Bedarf empfiehlt sie gerne einen geeigneten Kontakt.

Kontaktieren Sie Rechtsanwältin Dibbelt unter:
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Carola Ritterbach, Rechtsanwältin, Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht

Portrait Carola-Ritterbach

Rechtsanwältin Carola Ritterbach absolviert derzeit den Fachanwaltskurs Steuerrecht. Sie berät Gesellschafter und Unternehmer bei der steuerlichen Gestaltung von Gesellschaften und Unternehmen. Sie begleitet Betriebsprüfungen und vertritt bei Finanzgerichtsstreitigkeiten mit dem Finanzamt oder vor Finanzgerichten.  Rechtsanwältin Ritterbach berät und vertritt bei Steuerselbstanzeigen und Steuerstrafverfahren.  Sie erstellt Unternehmensbewertungen und begleitet Unternehmenskäufe bzw. Unternehmensverkäufe aus steuerrechtlicher Sicht.
Sie berät bei der Gestaltung von Erbschaften und Schenkungen zur Vermeidung unnötiger Erbschaftssteuer und entwirft Vermögensübertragungskonzepte. 
Sie berät hinsichtlich steuerlicher Auswirkungen von Insolvenzen. Dabei prüft und beantragt sie Steuererlasse zum Zweck der Unternehmenssanierung oder für insolvente Steuerschuldner sowie die nachträgliche Aufteilung
on Steuern im Fall der Zusammenveranlagungen bei Insolvenzen einzelner Ehepartner.
Rechtsanwältin Ritterbach ist Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht und ist seit vielen Jahren im Bereich Bankrecht tätig. Steuerliche Fragen bei Finanzierungsgeschäften treffen daher ihr besonderes Interesse.

Carola Ritterbach hat im Steuerrecht veröffentlicht:

  • Bilanzierung, Carola Ritterbach, Monika Dibbelt und Jens Bierstedt LL.M., 2016, Verlag Mittelstand und Recht, www.vmur.de, ISBN 978-3-939384-49-6
  • Steuerstrafrecht – Strafbarkeit der Organe in Unternehmen, Monika Dibbelt, Carola Ritterbach und Alexander Mayr, 2016, Verlag Mittelstand und Recht, www.vmur.de, ISBN 978-3-939384-48-9
  • Die strafbefreiende Selbstanzeige, Carola Ritterbach, Monika Dibbelt und Jens Bierstedt, 2016, Verlag Mittelstand und Recht, www.vmur.de, ISBN 978-3-939384-47-2
  • Besteuerung Personengesellschaften, Carola Ritterbach, Monika Dibbelt und Jens Bierstedt LL.M., 2016, Verlag Mittelstand und Recht, www.vmur.de, ISBN 978-3-939384-52-6
  • Steuerberaterhaftung, Carola Ritterbach, Monika Dibbelt und Anika Wegner, 2016, Verlag Mittelstand und Recht, www.vmur.de, ISBN 978-3-939384-51-9
  • Erbschaftssteuer- und Schenkungssteuerrecht: Das Recht der Erbschafts- und Schenkungssteuer. Möglichkeiten zur Verringerung der Steuerbelastung bei Erbschaften und Schenkungen, 2014, Verlag Mittelstand und Recht, ISBN 978-3-939384-16-8,
  • Die Haftung für Steuerschulden, 2015, Verlag Mittelstand und Recht, ISBN 978-3-939384-39-7

Weitere Veröffentlichungen von Rechtsanwältin Ritterbach im Steuerrecht sind in Vorbereitung, so

  • Änderung von Steuerbescheiden – Wann darf das Finanzamt einen Steuerbescheid aufheben oder korrigieren

Carola Ritternach ist Dozentin für Steuerrecht bei der DMA Deutsche Mittelstandsakademie sowie Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Steuerrecht im Deutschen Anwaltsverein.
 Sie bietet Vorträge und Seminare unter anderem zu folgenden Themen an:

  • Erbschaftssteuer und Schenkungssteuer vermeiden
  • Wahl der Gesellschaftsform unter Steuergesichtspunkten
  • Lohnsteuer- und Umsatzsteuerhaftung des Geschäftsführers
  • Mindestlohn – Worauf hat der Steuerberater zu achten
  • Die Umsatzsteuer – eine kauf- und leasingrechtliche Betrachtung
  • Die steuerliche Organschaft – Was wird wo versteuert?
  • Die Besteuerung ausländischer Einkünfte – Immobilien, Unternehmensbeteiligungen, Kapitalanlagen oder Geschäftsführergehälter

Kontaktieren Sie Rechtsanwältin Ritterbach unter:
Mail: ritterbach@brennecke-rechtsanwaelte.de
Telefon: 0721-20396-28

 







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