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Derivate – die schillernden Finanzinstrumente

Derivate sind als Bankprodukte zunehmender Kritik ausgesetzt, dabei können sie durchaus sinnvolle Instrumente sein – wenn man sich der Natur und damit der Risiken dieser Produkte bewusst ist.

Der Begriff „Derivat“ stammt vom lateinischen „derivare“ – „ableiten“. Sie werden tatsächlich von den traditionellen Finanzinstrumenten wie Krediten, Aktien, Anleihen oder Aktienindizes abgeleitet und dienen der Steuerung von Preis- und Kreditrisiken, z.B. Zins- oder Währungsschwankungen.

Seit den 1980er-Jahren haben Derivate an Bedeutung gewonnen. Das Marktvolumen in Deutschland betrug im Dezember 2004 schon 48 Mrd. Euro und erreichte einen (vorläufigen) Höhepunkt im September 2007 mit 139 Mrd. Euro. In einem Zeitraum von knapp drei Jahren verdreifachte sich das Volumen also nahezu. Selbst im Tiefpunkt der Finanzkrise im März 2009 betrug das Volumen immer noch 79,9 Mrd. Euro, im September 2009 schon wieder 101,0 Mrd. Euro ( Quelle: Deutscher Derivateverband e.V., http://www.deutscher-derivate-verband.de).

Definition
Unter Derivaten versteht man Produkte, die von einem Basiswert abgeleitet sind. Bei den sog. Finanzderivaten hängt der Preis des Derivats in hohem Maß vom Preis des Basiswertes ab. Wirtschaftsgüter, zu denen u.a. auch Verbindlichkeiten aus einer Geldaufnahme und Forderungen aus einer Geldanlage gehören, unterliegen marktbedingten Preisschwankungen.

Derivate erlauben es, einzelne Marktpreisrisiken vom zugrunde liegenden Wirtschaftsgut, dem sog. „Basiswert“, abzuspalten und getrennt zu halten. Neben dieser Absicherungsfunktion („Hedging“ von hedge = Hecke) werden Derivate auch zu Spekulationszwecken genutzt, indem sie einem Investor ermöglichen, Marktpreisrisiken zu übernehmen, ohne über eine entsprechende Position in einem Basiswert zu verfügen: Falls der Investor steigende Preise erwartet, kauft er das Finanzobjekt zum heutigen Preis zu einem späteren Termin. Steigt der Preis tatsächlich, so kann es zum Termin zu dem höheren Preis am Kassamarkt veräußert werden. Die Gefahr ist, dass aufgrund falscher Erwartungen über künftige Preisentwicklungen hohe Verluste entstehen. Schließlich werden Derivate verwendet, um Preisunterschiede eines Wirtschaftsgutes( Aktien, Devisen, Rohstoffe, Edelmetall) an verschiedenen Märkten zu nutzen (Arbitrage).

Heute gibt es verbriefte, im Kassamarkt an den Börsen gehandelte Derivate, die allgemein unter dem Begriff „Optionsscheine“ bekannt sind. Außerdem gehören die an Terminbörsen gehandelten standardisierten Optionen und Futures sowie außerbörslich (OTC = over the counter) geschlossene Individualverträge dazu. Es gibt unzählige verschiedene Arten von Derivaten, auch wenn einige Derivattypen zwischenzeitlich zumindest in den Grundzügen standardisiert sind.

Für Unternehmen, die Kredite aufnehmen, sind vor allem die sog. Zinsderivate von Bedeutung.

Zinsswaps
Zinsswaps sind Finanzinstrumente, die es zwei Parteien ermöglichen, Zinszahlungen unterschiedlicher Zinsfixierung auf einen (fiktiven) Kapitalbetrag für eine definierte Währung und eine bestimmte Laufzeit auszutauschen. Ein einfaches Beispiel: Ein Unternehmen hat eine Investition auf fünf Jahre bei seiner Hausbank finanziert und zwar – aus unterschiedlichen Gründen – mit einem variablen Zinssatz. Das Unternehmen erwartet aber, dass die Zinsen im Fünfjahreszeitraum steigen. Um dieses Zinsrisiko zu minimieren, vereinbart das Unternehmen mit einem Anbieter von Derivaten (das kann, muss aber nicht die Hausbank sein), einen sog. Zinsswap. Damit übernimmt der Anbieter das Risiko der Zinssteigerung gegenüber der Hausbank, während das Unternehmen einen fest vereinbarten Zinssatz an den Anbieter zahlt. Die Investition kostet das Unternehmen neben dem Anschaffungspreis der Investition also die von der Hausbank angesetzte Kreditmarge und den jetzt fest kalkulierbaren Swapsatz. Steigen die Zinsen tatsächlich in erheblichem Rahmen, ist das Unternehmer der „Gewinner“ dieses Geschäftes, fallen die Zinsen, liegt der Gewinn beim Anbieter. Die Preisfindung eines solchen Swaps erfolgt nach komplizierten mathematischen Formeln. An den festgelegten Terminen werden lediglich die Zinszahlungsströme ausgetauscht, wenn möglich, wird saldiert. Das Kapital, also der zugrunde liegende Kredit, wird nicht ausgetauscht, es erfolgt also keine Umfinanzierung im klassischen Sinn. Auch eine Umwandlung von einem vereinbarten Festzins in eine variable Zinszahlung ist mithilfe eines Swaps möglich – grundsätzlich kann für jedes Bedürfnis ein maßgeschneiderter Swap abgeschlossen werden. Hauptwährungen bei Zinsswaps sind Euro, US-Dollar und Yen, wobei Laufzeiten bis zu zehn Jahren üblich sind. Der Zinsswap kann auf Kundenwunsch vorzeitig aufgelöst werden. Dabei kann ein Auflösungsgewinn oder Auflösungsverlust entstehen.

Caps und Floors
Nutzt das Unternehmen einen Kontokorrentkredit mit variablen Zinsen und wechselnden Inanspruchnahmen passt der oben beschriebene Zinsswap (wegen der unterschiedlichen Inanspruchnahmen) nicht. Ein Swap ist auch dann nicht sinnvoll, wenn das Unternehmen keine Prognosen über Zinssteigerung- oder verinngerung abgeben will. Hier bieten Caps und Floors eine Begrenzung des Zinsänderungsrisikos durch Festschreibung eines Maximal- oder Minimalzinssatzes gegen Zahlung einer Prämie.

Ein Cap ist die vertragliche Vereinbarung einer Zinsobergrenze (Basispreis, Strike). Durch den Kauf eines Cap schützt sich das Unternehmen vor einem möglichen Zinsanstieg. Der Anbieter / Verkäufer eines Cap verpflichtet sich, immer dann Ausgleichszahlungen an das Unternehmen zu leisten, wenn ein vereinbarter Referenzzinssatz (z.B. 6-Monats-EURIBOR) am vereinbarten Fixingtag über dem festgelegten Basispreis des Cap liegt.

Der Floor ist dagegen eher ein Anlageprodukt. Das Unternehmen sichert sich durch den Kauf dieses Instruments einen Mindestzinssatz. Der Anbieter / Verkäufer eines Floor verpflichtet sich gegen Erhalt einer meist einmaligen Prämie, eine Ausgleichszahlung zu leisten, wenn der Referenzzinssatz am Fixingtag unter dem Basispreis des Floor liegt.

Risiken
Die Risiken von Derivaten liegen auf der Hand, wenn man sich vergegenwärtigt, das es sich bei Derivaten im Grunde um Wetten handelt, bei den Zinsderivaten um Wetten auf das Zinsniveau. Bewegt sich das Zinsniveau nicht in die erwartete Richtung, hat man „nichts gewonnen“ gemacht und der Einsatz – die dem Anbieter zu zahlenden Entgelte – ist auch verloren. Außerdem kann der Fall eintreten, dass der Anbieter seine eingegangenen Verpflichtungen nicht erfüllen kann – die Bonität ändert sich u.U. schnell. Mit diesem Risiko sind insbesondere die OTC-Geschäfte behaftet, da sie ohne Einschaltung einer Clearingstelle erfolgen.
Daneben besteht immer auch ein rechtliches Risiko wegen vertraglicher Mängel, z.B. fehlender Berechtigung, unvollständiger Dokumentation der Geschäfte oder rechtlicher Besonderheiten in den Ländern, in denen der Anbieter / Verkäufer seinen Sitz hat.

Derivate können zwar grundsätzlich einvernehmlich auch vor Ende der vereinbarten Laufzeit aufgelöst werden. Dies in der Regel jedoch nur, wenn sich am Markt jemand findet, der in dieses Geschäft einsteigt. Ob sich gerade zum gewünschten Zeitpunkt so jemand findet bzw. ob überhaupt, kann kaum abgeschätzt werden.

Swaps haben ein symmetrisches Risikoprofil: Gewinne und Verluste stehen sich für Käufer und Anbieter jeweils spiegelbildlich und in unbegrenzter Höhe gegenüber.

Dennoch können Unternehmen unter Abwägung der Risiken und Vorteile Derivate sinnvoll einsetzen.

 

Dieser Beitrag ist der Zeitschrift "Mittelstand und Recht", Ausgabe I / 2010 entnommen.


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Stand: Januar 2010


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  • Kreditvertragsrecht, 2014, Verlag Mittelstand und Recht, www.vmur.de, ISBN 978-3-939384-35-9
  • Leasingrecht – Einführung in das Recht des Leasings, ISBN 978-3-939384-25-0, 2014, Verlag Mittelstand und Recht

 

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Ein Schwerpunkt von Rechtsanwältin Dibbelt im Bereich des Bank- und Bankvertragsrecht sind Fragestellungen rund um die Rechtmäßigkeit und Inanspruchnahme aus Darlehensverträgen, Krediten und Bürgschaften. Durch ihre Tätigkeit im Insolvenzrecht hat Frau Rechtsanwältin Dibbelt regelmäßig insbesondere auch immer wieder mit Fragen zur Verrechnung von Haben und Salden bei Kreditinstituten sowie der Berücksichtigung einer Inanspruchnahme aus (persönlichen und sachlichen) Sicherheiten im Rahmen von Insolvenzen zu tun.

Kreditsicherheiten sowie die Gestaltung klassischer Formen der Fremdkapitalfinanzierung, Mezzanine- und strukturierter Finanzierungen bilden einen weiteren Tätigkeitsschwerpunkt von Rechtsanwältin Dibbelt.

Sie unterstützt ihre Mandanten auch bei Kontenpfändungen durch Einrichtung von P-Konten bzw. eines Antrages auf Erhöhung des Pfändungsschutzbetrages. Derartige Pfändungsschutzanträge können nicht nur Verbraucher sondern auch Selbständige stellen.

Darüber hinaus berät und prüft Frau Rechtsanwältin Dibbelt, ob für eine Erlaubnis der Finanzaufsichtsbehörde (BaFin) erforderlich ist und erstellt ggf. die notwendigen Anträge.

Rechtsanwältin Monika Dibbelt ist Mitglied der Bankrechtlichen Vereinigung e.V.

Sie bereitet derzeit mehrere Veröffentlichungen im Bank- und Kapitalmarktrecht vor.

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